suedtirolnews: Zu Hause durchgeführte Beschneidung endet in Tragödie

 

 

Monterotondo – Eine in Monterotondo, eine Kleinstadt in der Nähe von Rom, in Eigenregie und zu Hause durchgeführte Beschneidung zweier zweijähriger Zwillinge endete am Sonntag in einer Tragödie. Während ein Bub infolge starken Blutverlusts die Zirkumzision nicht überlebte, musste sein Zwillingsbruder mit schwersten Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Schauplatz des tödlichen Unglücks war eine Wohnung in Monterotondo. Die Unterkunft, in der die beiden kleinen aus Nigeria stammenden Zwillinge lebten, gehört zu einem von der Vereinigung Arci Roma seit dem Jahr 2009 betriebenen Aufnahmezentrum für Flüchtlinge. Laut einer ersten Rekonstruktion der Ermittler soll die Beschneidung von einem ebenfalls aus Nigeria stammenden, angeblichen Arzt durchgeführt worden sein. Ersten Erkenntnissen zufolge wurden in der Wohnung zuerst der erste Zwilling und dann sein Bruder beschnitten. Als sich der Gesundheitszustand der beiden Zwillinge gravierend verschlechterte, wurden über die Notfallnummer die Rettungskräfte alarmiert. Obwohl diese kurze Zeit später am Unglücksort eintrafen, kam für einen der beiden Buben jede Hilfe zu spät. Er hatte infolge der Operation zu viel Blut verloren und verstarb noch am Unglücksort. Sein Zwillingsbruder hingegen musste mit schwersten Verletzungen in das Krankenhaus Gemelli von Rom eingeliefert werden.

Der angebliche Arzt wurde von der Polizei in Gewahrsam genommen. Um den genauen Hergang des tödlichen Unglücks und seine rechtliche Position feststellen zu können, wurde er von den Ermittlern verhört. Ebenfalls angehört wurden die Mutter der Zwillinge sowie zwei weitere Frauen, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks in der Wohnung befanden.

Die Mutter der im Jänner 2017 in Latina geborenen Zwillinge, die einen humanitären Schutzstatus innehat und in ihrem Heimatland Nigeria fünf weitere Kinder besitzt, gelangte Mitte November nach Monterotondo. Die Mitarbeiter des Sprar-Programms behaupteten, dass sie nie den Verdacht gehegt hätten, dass die Frau ihre kleinen Kinder der Praxis der Zirkumzision unterziehen wolle. In einer Stellungnahme zeigte sich die Vereinigung Arci Roma über den tödlichen Vorfall entsetzt. Zudem kündigte Arci Roma an, dass sich die Vereinigung dem anstehenden Gerichtsverfahren als Zivilpartei anschließen werde. In der Zwischenzeit wurde vonseiten der Staatsanwaltschaft von Tivoli ein auf Mord und schwere Körperverletzung lautendes Ermittlungsverfahren eröffnet. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht der angebliche Arzt, der die Beschneidung durchgeführt haben soll.

Auch Foad Aodi – Gründer der Vereinigung ausländischer Ärzte in Italien sowie der Vereinigung der Araber in Italien, Co-mai – meldete sich zum Tod des zweijährigen Buben zu Wort. Laut Foad Aodi werden in Italien 35 Prozent der Beschneidungen zu Hause und auf illegale Art und Weise durchgeführt.

Wir setzen uns seit Jahren für Gesetzmäßigkeit, das Recht auf Gesundheit und für religiöse Rücksichtnahme gegenüber allen ein und sind gegen jede Form von Gesetzeswidrigkeit und gegen Zirkumzisionen, die von nicht autorisierten Personen und in illegalen Einrichtungen durchgeführt werden“, so Foad Aodi. Laut Foad Aodi seien diese Vorfälle auch auf finanzielle Motive sowie auf den Mangel an Einrichtungen, die dazu ermächtigt sind, Beschneidungen durchzuführen, zurückzuführen.

Aus diesen Gründen richtete Foad Aodi an das römische Gesundheitsministerium den Appell, Beschneidungen auch in den öffentlichen und privaten Gesundheitseinrichtungen zu erlauben. So ermöglichte moderate Preise würden vermeiden, dass hebräische und muslimische Familien dazu gezwungen seien, für die Zirkumzision in ihre Heimatländer zurückzukehren, so die Meinung von Foad Aodi.

Der Tod des Zweijährigen löste in der italienischen Öffentlichkeit eine heftige Debatte aus.

 

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